Meine Lyrikecke im Traumschloss
   
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  Traumgedichte I
 



Traumgedichte I


• Abendstern
• Morgenstern




Abendstern

Ein keckes Sternchen will nicht hören,
es sollte nachts am Himmel steh’n,
Pärchen mit Funkeln tief betören,
doch es mag nicht leuchten geh’n.

Versteckt daher fix die Laterne
hinter dem dicken Wolkenberg.
Denkt bei sich: „Habt mich mal gerne“!
„Nachtschicht fällt aus im „Sternkraftwerk“!

Es mogelt sich von seinem Plätzchen,
eilt flugs zum Engels-Atelier,
besorgt sich Flügel und ein Lätzchen,
in himmelweiß wie Puderschnee.

Übermütig tanzt das Sternchen
bis sein Sternenmagen klagt.
Ambrosia und Manna-Törtchen,
das wär jetzt das, was ihm behagt.

In einem himmlisch kleinen Laden
bietet man nächtlich Speisen an.
Mit seinen strammen Sternenwaden
bremst es ganz fest und stellt sich an.

Voll gestopft sind seine Taschen
mit Himmelsbackwerk noch und noch,
nun sucht ein Plätzchen es zum Naschen,
findet auch schnell ein Himmelsloch.

Bunt verkleckert, honigklebrig,
ist das Lätzchen nach dem Mahl.
Doch nun wird das Sternchen schläfrig,
es legt sich hin, ruht erst einmal.

Als froh der Morgen hell erwachet
schlägt es die Äuglein müde auf.
Die Sonne neckt ihn und sie lachet,
brennt einen Strahl ihm „hinten drauf“.

Vergeblich sucht’s den Sternenhimmel,
doch der hat längst schon „dicht gemacht“.
Es besteigt den Himmelsschimmel
und reitet in die nächste Nacht.

Auf einem andern Breitengrade
kommt es gerade noch zurecht.
Da wird es Nacht, Mensch legt sich g’rade
in sein Bett und das mit Recht.

Gottlob verbergen Wolkenberge
den Mond, die Sterne diese Nacht,
denn unser kleiner „Sternenscherge“
hat kein Lichtlein mitgebracht.

Und wieder kommt der Himmelsschimmel,
trägt ihn zurück in „seine Nacht“,
die soeben sich am Himmel
erneut ganz finster breit gemacht.

Der Mond ist voll, kein bißchen heiter,
er zürnt dem Abendstern, er grollt.
Sternchen bekümmert das nicht weiter,
hat sich vom Stress noch nicht erholt.

Reisemüde, ambrosiatrunken,
glitzert es matt am Sternenzelt. 
Innig lauscht es traumversunken
dem Flügelschlag der Engelswelt.

© Helga Boban ~ Schlossfee 04.08.2006








Morgenstern

Ein Sternlein kommt auf diese Welt,
so einfach auf Besuch.
Es seilt sich ab vom Himmelszelt
an einem Silbertuch.

Es strandet neben einem See
auf einem kleinen Hügel.
Sieht sich auf einmal aus der Näh’
im glatten Wasserspiegel.

Ganz angetan vom eignen Glanz
klatscht es in seine Hände.
Verführt voll Freude einen Tanz
gar lustvoll und behände.

Der Mond blickt mürrisch auf das Bild,
ihm fehlt das Sternchen oben.
Er funkelt und er droht bald wild,
lässt Wolkenberge toben.

Sternlein bemerkt dies alles nicht,
es ist von sich verzückt.
Es dreht im hellsten Silberlicht
sich rundherum beglückt.

Doch Tanz und Freude sind zuviel,
das Sternlein blickt schon müde. 
Am Himmel hält es sonst „nur“ still
und strahlt „bloß“ voller Güte.

Drum stahl es sich vom Firmament,
ganz ohne Urlaubsschein.
Nun legt es nieder sich und pennt
fast auf der Stelle ein.

Sein letzter Blick nach oben geht,
dann schließt’s die Äugelein.
Sein Sinn ist sanft und leicht verdreht,
so schläft’s am Ufer ein.

Kurz vor dem Morgen schreckt es auf,
ein Schock geht durch die Zacken.
Der Himmel ging seinen Verlauf,
die Angst sitzt ihm im „Nacken“.

Es spurtet hoch zum Himmelszelt
an seinem Silbertuch.
Blickt nochmals runter auf die Welt,
vernimmt schon Mondes Fluch.

Schnell hängt es sich an seinen Platz
und strahlt und leuchtet gern.
Da lacht der Mond und sagt: “Mein Schatz -
DU bist mein Morgenstern“.

© Helga Boban ~ Schlossfee 20.06.2006






 
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